Sonntag, 2. Juli 2017

Bushcraft Probetour 1

Ich wollte mal etwas Neues ausprobieren ...

denn die nagelneue Hängematte und das niegelnagelneue Tarp meines Freundes Klaus, weckte irgendwie mein Interesse. Ich habe Klaus im letzten Jahrauf einem Fernreiseradlertreffen in Travemünde kennengelernt. Da überraschte er mich schon mit seinem neuen sogenannten Hobo-Kocher (klick) In diesem Jahr auf dem Treffen in Erfurt erschien er mit einem Tarp in Flecktarn. Naja, was soll ich sagen, mich interessierte die Art, wie er durch die Lande zu reisen pflegt und als das Treffen in Erfurt zu ende war, sind Klaus und ich zwei Tage zusammen durch das schöne Thüringen geradelt. Natürlich haben wir die Nacht nicht auf einem Campingplatz verbracht, sondern wir schlugen uns in die Büsche. Hier ist der Beweis: (siehe Fotos unten). Wir lagern an einem kleinen Bach, der uns mit frischem und klaren Wasser versorgte, und der sogar das Baden ermöglichte. Das war ja geradezu purer Luxus, was die Natur und der Zufall uns an diesem Platz geboten hat. 

Klaus verfügt über eine dem Bushcrafting angemessene Ausrüstung

Ich hingegen wohne in einem komfortablen Zelt, allerdings wenigstens mit olivgrünem Überzelt 

Ich kann an dieser Stelle wirklich und ganz überzeugt feststellen, dass mir die zwei Fahrtage mit Klaus einen Heidenspaß bereitet haben. Nicht nur dass das Wetter sich vorbildlich zeigte, nein auch der harmonische Tagesablauf und sehr ähnlich gelagerte Interessen und "Weltanschauungen" trugen dazu bei, dass wir, unabhängig von einander die Idee entwickelten, bald einmal eine gemeinsame Tour zu fahren. So ein Vorhaben ist nicht ganz so einfach, wenn die Heimatorte der beiden "Abenteurer"  so weit auseinander liegen, wie es bei uns der Fall ist. Klaus wohnt im Allgäu und ich wohne bekanntlich in Schleswig-Holstein. Aber, wir werden sehen, irgendwann wird es schon klappen.


Klaus wohnt irgendwo im Allgäu

     
Ich wohne irgendwo hier
       




                                                           
      

Das war die Vorbemerkung.


Zuhause angekommen reift der Gedanke, es noch einmal allein zu versuchen und auszuprobieren, ob ich mit dieser etwas anderen Art der Radreise auch allein zurecht komme. Irgendwie blöd, dass ich gerade vor ein paar Wochen meinen Trangia-Kocher verkauft habe. Aber was soll`s, richtige Bushcrafter kochen ja sowieso auf dem Hobo-Kocher, oder auf dem Lagerfeuer, oder eben gar nicht. Trotzdem, und das sei jetzt schon mal verraten, hab ich dann meinen Gaskocher mitgenommen.    

Die Planung


Zunächst bemühte ich die erfahrenen Bushcrafter auf Youtube, wie zum Beispiel Kai Sackmann (klick)
Dann wollte ich mir möglichst eine Tour vornehmen, auf der ich  nicht ständig durch große Siedlungen, Dörfer und Städte fahren muss. Diese Gegend meinte ich in Mecklenburg-Vorpommern gefunden zu haben. Und dann wollte ich ziemlich sicher gehen, dass ich nicht gleich nach Aufsuchen eines Lagerplatzes wieder von dort vertrieben würde. 
Also entwickelte ich folgende Route:


Da würde ich Teiche, Seen und Bäche und eventuell auch die Ostsee nutzen können, um am Abend, nachdem ich verschwitzt und verstaubt meinen Lagerplatz gefunden habe, wenigstens noch kurz untertauchen zu können. Mit Untertauchen ist in diesem Fall der wahrste Sinn des Wortes gemeint. In gewisser Weise hat mich auch dieser Mann (klick) inspiriert. Sein Lagerplatz hat mir besonders gut gefallen.

"Na, denn man to", wie dat op Plattdütsch heet. Für die Allgäuer: "Pack  mer`s" oder "Auf geht`s"

Es geht los. Der Schwerpunkt liegt nicht auf Zurücklegung großer Distanzen, sondern auf genussvollem Radeln durch die Natur. An Klamotten und Ausrüstung habe ich nur das Nötigste eingepackt, allerdings habe ich noch eine große Baumarktplane, 30 m. Paracordschnur und 12 Zelthäringe zusätzlich mitgenommen. (Wird vielleicht ja gebraucht, kann man ja nie vorher wissen)   

Auf dem Weg zur Ostsee mache ich noch so manchen Abstecher und inspiziere die kleinen Wäldchen, um zu prüfen, ob hier Outdoor-Übernachtungen möglich sind. Wenn man genau hinsieht, entdeckt man viele solcher Plätze. Es ist aber wohl klar, dass die hier nicht explizit erwähnt werden. Ich will ja keinen Bushcraft-Touristenführer schreiben. 

Ich weiche schon früh von meiner geplanten Route ab, um die Strandzugänge zu prüfen.

Sieht ja sehr verlockend aus, aber Verbotsschilder erlauben keine Zelte, und schon gar nicht zum Zwecke der Übernachtung.

Am Ende des zweiten Weltkrieges, als vor mehrals 70 Jahren spielte sich an
dieser Stelle der Lübecker Bucht ein ganz furchtbares Drama ab,  an das das
 schlichte Birkenkreuz erinnern soll. 


                                                 

Kurz danach komme ich nach Groß Schwansee. Die Lindenallee zeigt dass hier einmal wohlhabende Herrschaften gewohnt und geherrscht haben. Hier (klick) kann man die Geschichte des Schlossgutes nachlesen, und hier (klick) kann man Übernachtungen buchen, aber sicher nicht die Art von Übernachtungen, die ich gerade im Sinn habe.

Allee zum Schlossgut Groß Schwansee

Schöne Zeltwiese , (grins und zwincker)

Vom Schloss direkt zum feinen Sandstrand



Zur Abwechselung bringe ich etwas Farbe ins Bild. 

                               


Rechts das weite Mecklenburger Land
Und links die Steilküste. 
Am frühen Nachmittag bin ich dann so in etwa auf der Höhe der Ortschaft Klütz. Jetzt stehen an den Trampelpfaden keine Verbotsschilder mehr, aber die Steilküste macht seinem Namen alle Ehre und ist so steil, dass der Strand nur durch eine waghalsige und sehr gefährliche Kletterpartie erreicht werden kann. Mit einem Fahrrad da runter zu kommen??? Unmöglich. Einen Zugang hab ich allerdings gefunden, allerdings, sollte es heute Nacht oder morgen regnen, kommt man nicht wieder rauf, jedenfalls nicht ohne tatkräftige Unterstützung von weiteren "Abenteurern".

Doch dann werde ich endgültig fündig. Ich kann den Strand gut mit dem Fahrrad erreichen. Auf einem kurzen Stück muss ich es tragen, am Strand direkt, kann ich es natürlich nur schieben, aber als ich weit genug weg bin, vom Weg, der von oben an den Strand führt, komme ich an diesen Platz: siehe Foto  
Hier werde ich mein Lager aufschlagen.
Doch bevor ich das Zelt aufstelle, beschließe ich erst einmal abzuwarten, ob jemand vorbei kommt. Die Wartezeit nutze ich mit der Herstellung einer halbwegs ebenen Fläche für das Zelt, damit ich nachts nicht ständig in Richtung Wasserlinie rutsche. Ich sammle Feuerholz, lege eine kreisförmige Feuerstelle an, trinke ein Bier und blicke auf die Ostsee. Schließlich, als sich wider Erwarten niemand sehen lässt, stelle ich das Zelt auf, weit genug vom Steilufer entfernt, um nicht Gefahr zu laufen von Abbrüchen erschlagen zu werden und weit genug von der Wasserlinie entfernt, um nachts nicht überspült zu werden. Sehr viel Spielraum bleibt da nicht, aber es geht.


Dann dauert es nicht mehr lange und unter Zuhilfenahme von trockenem Seegras und Baumrinde, sowie winzig kleinen, trockenen Zweigen und eines Feuerzeugs, brennt mein Lagerfeuer. Zum Glück finde ich eine Holzkiste, die jemand hat liegen lassen, so dass ich mich über Mangel an Feuerholz nicht  beklagen kann. Ich stelle fest, so ein Feuerchen brennt schnell herunter. Man braucht eine kleine Säge (hab ich nicht) oder zumindest ein großes Messer (hab ich auch nicht), oder besser noch, eine kleine Axt (hab ich schon gar nicht),  um ausreichend Holz zerkleinern zu können. 



Ja, ich weiß, ein richtiger Bushcrafter sammelt Treibholz, er spaltet keine Kistenbretter, die er unterwegs findet und zündet sein Feuer nicht mit dem Feuerzeug an, sondern mit einem Feuerstahl. Ich mach das aber anders. Ich bin ja auch das Greenhorn, der völlig überzivilisierte Mensch. Ich bin ja auch, und das geht normalerweise schon gar nicht, mit dem Fahrrad hier. Wie geht das denn? Shame on me!!!  Ist mir aber, mit Verlaub gesagt, scheißegal. Mir gefällt`s genau so, wie es grad ist. 

So langsam findet die Sonne ihren Weg in Richtung Horizont

Das ist kein Nebel, sondern das sind Rauchschwaden vom Lagerfeuer.

Ein Fährschiff ist in Travemünde ausgelaufen. Vorn, in Ufernähe dümpeln die Schwäne, immer auf der Suche nach Futter. 

Mein Feuerholzvorrat geht zur Neige
Ich koche mir auf dem kleinen Gasbrenner einen Kaffee, esse das mitgebrachte Brot, die Salami, den Krautsalat und beobachte, wie die Sonne sich anschickt, in die Ostsee einzutauchen. 
Zu erwähnen ist noch, dass ich den Helinoxstuhl wieder eingepackt habe, statt dessen kam die zweite Plane zum Einsatz. Die Stuhlbeine versanken im tiefen, weichen Sand. Am Strand kann ich gut darauf verzichten. Die Plane hatte allerdings am nächsten Tag ein paar Löcher. Offensichtlich verursacht durch glühende Holzteilchen, die von den Kistenbrettern abgesprungen sind, während ich mich im Ostseewasser gewaschen habe. Zum Glück wurde das Zelt nicht betroffen. (Schon wieder was gelernt: Feuer weit genug weg vom Zelt und eventuell aufgespanntem Tarp)




Zunächst sieht es nicht nach einem spektakulärem Sonnenuntergang aus, dann aber kommt es doch noch zum großen Finale.  Die Abendstimmung ist einfach überwältigend. Hier würde sicher auch eine musikalische Begleitung durch ein großes Orchester passen. Mir aber genügt das Rauschen der Ostseewellen.






Der Mond ist in dieser Nacht nicht zu sehen. Schade eigentlich, aber man kann auch nicht immer alles haben wollen. 

Um 23:00 Uhr liege ich im Zelt. Den Eingang zur Seeseite lasse ich halb offen. Das Rauschen des Meeres lässt mich schnell einschlafen, es weckt mich aber des öfteren in der Nacht, so dass ich die Morgendämmerung und den beginnenden Tag halbwegs live erleben kann. 

Morgens um 07:00 Uhr stehe ich auf. Sich im kühlen Ostseewasser frisch zu machen ist ein Erlebnis für sich. Zum Schwimmen ist mir das Wasser so früh morgens dann doch ein wenig zu kalt. 

Mit frisch gebratenem Speck, mit Brot von gestern, Camembert-Käseecken, Nutella und zwei Bechern Kaffee bekämpfe ich erfolgreich den Hunger. Man glaubt ja nicht, was für einen Appetit der Wildcamper entwickelt, wenn er die erste Nacht an einem einsamen Strand erfolgreich hinter sich gebracht hat.

Bald ist das Zelt wieder abgebaut, die Ausrüstung verstaut und das Fahrrad bepackt. Ich mache mich auf, noch ein paar einsame Wald-, Feld und Wiesenabschnitte während meiner Rücktour zu entdecken, die sich auch für wildes Campen eignen. Ich habe auch einige gefunden. Aber auch hier gilt: genießen und schweigen. 

Abschied vom Strand

 Fazit

Bushcrafting in seiner reinsten Form, oder so, wie es vermeintlich echte Outdoorer gern betreiben, ist nicht so ganz mein Ding. Auf einige, wenige Annehmlichkeiten der Zivilisation will ich lieber nicht verzichten. So kann ich gut damit leben, in einsamen Gegenden zu biwakieren, auf einem Feuer zu kochen, und für einen oder zwei Tage auf eine heiße Dusche zu verzichten, solange irgendwo in der Näher einigermaßen sauberes Wasser zu finden ist. Aber ohne Zelt oder Tarp im Wald im Schutze eines umgestürzten Baumes oder an anderen einfachsten Plätzen zu lagern und sich seinen Unterschlupf selbst zu bauen, das geht mir dann doch zu weit. Das hatte ich vor 50 Jahren bei der Bundeswehr. Das brauch ich heute nicht mehr. 

Aber, das Erlebnis in der Natur, abseits von Städten, Dörfern und Wohnsiedlungen, egal, ob in kargen Gegenden, mitten im Wald, oder am See oder am Meer, das ist es, was ich sehr, sehr gerne mag. 

Nun war es auf diesem Kurztrip ja nicht meine erste Übernachtung draußen, abseits und unter Verzicht auf einen Campingplatz, aber das Erlebnis am Ostseestrand hat mich in meinem Vorhaben bestärkt, solche Gelegenheiten ganz bewusst zu suchen.

Und zum Schluss stelle ich meinem Freund im Allgäu die Frage: " Wann wollen wir los, Klaus?"    


Kommentare:

  1. Auch wenn ich bushcrafting für eine interessante Fähigkeit halte, das ist mir dann doch etwas zu wenig Luxus... außerdem habe ich zu oft gesehen, was offenes Feuer mit den Wäldern machen kann... wir hatten kürzlich Brände im Schwarzwald und in meiner zweiten Heimat Kanada stehen die Wälder in Flammen...

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  2. Nie würde ich ein Feuer anzünden, wenn auch nur die geringste Gefahr eines sich ausbreitenden Brandes bestünde. Ich kann das sehr gut einschätzen. Ausserdem glaube ich nicht, dass Bushcrafter pauschal als Verursacher von Waldbränden verantwortlich gemacht werden können; jedenfalls habe ich in dieser Gruppe bisher niemanden kennengelernt, der leichtsinnig mit offenem Feuer umgeht. Selbstverständlich hast du Recht, wenn du sagst, dass offenes Feuer im Wald gefährlich ist. Aber du kannst davon ausgehen, dass ich die Gefahr richtig einschätzen kann und jedes Risiko vermeide.
    Der Verzicht auf jeglichen Luxus und die Besinnung auf das Einfache und Beschränkung auf das Wesentliche macht Bushcrafting zu einem Naturerlebnis der besonderen Art. Das mag man, oder man mag es nicht. Und es ist völlig in Ordnung, wenn jemand sagt: "Für mich wär das nichts." Das hab ich auch immer gedacht, bis ich es mal probiert habe.

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